Freitag, 26. Februar 2016

Die irische Nacht





Eigentlich gehören wir noch nicht zu den Alten. Wir gehören auch noch nicht zu den „neuen Alten.“ Doch, da die Haare grau werden und die Falten tiefer, sind wir auch nicht mehr ganz taufrisch. Wir schweben zwischen Jugendwahn und Altersteilzeit.
Das „Es war einmal“ hat noch kein großes Gewicht. Energie und Bereitschaft dafür, Neues aufzunehmen, sind durchaus vorhanden. Trotzdem- die Wahl fällt schwer.
Früher gingen wir mit Minirock und Bluse oder Anzug geschniegelt zur Disco und hüpften zu den Hits der Beatles, der Beach Boys oder der Rolling Stones auf der Tanzfläche herum. Es wurde nicht von uns verlangt, richtig zu tanzen. Die Haare waren lang die Hosen weit und die Parkas grün. Wir gehörten dazu.
Heute werden in unserer Stadt auch „Events“ für Ältere geboten. Man kann in der zweiten Etage eines Autohauses zu den Klängen von Roland Kaisers Schlager, Roy Blacks Schnulzen und den vielen anderen deutschen Songtexten, bei denen sich das Hemd von alleine aus der Hose zieht, tanzen. Einer unserer Zeitgenossen nannte es „Mumienschieben“ das verstehe, wer will.
Wir Älteren dürfen auch zu den Veranstaltungen gehen, bei denen die Bands aus unserer Jugend, die es teilweise noch gibt, auftreten. Dort können wir unsere grauen Mähnen schütteln mitsingen, und uns, wenn wir nicht vergessen, haben unsere arthritischen Knie einzusalben, so richtig austoben. Die „irische Nacht“ aber war das beste Event, das wir in letzter Zeit besucht haben.
Das Zelt war mitten in dem kleinen Ort auf dem Rathausplatz aufgestellt. Es gab Guinness, Whisky, original irische Currywurst Kartoffelscheiben ohne Kerry Gold und harte Steaks. Mein Mann hatte eine rote Weste eine schwarze Jeans und ein weißes Hemd angezogen. Sein Outfit war fast zu perfekt.
Meine in Festzeltnahrung und Volksmusik erfahrene Freundin bestellte sich ein Steak, an welchem sie eine halbe Stunde lang zu kauen hatte. Die Musik war irisch, die Musik war gut. Um zweiundzwanzig Uhr dreißig machte die Band die Schoten dicht.
Draußen vor dem Zelt saßen Rauchende und Biertrinkende Hartz Vier Empfänger, die das Geld für den Eintritt nicht aufbringen konnten, in friedlicher Eintracht. Sie konnten die Musik gut hören. Ich frage mich, warum wir überhaupt ins Zelt gegangen sind.
Das nächste Mal werden wir zur tropischen Nacht in Flattrigen gehen. Das Zelt für dieses Event steht auf einem Platz, direkt neben dem Friedhof. Mal sehen, ob wir etwas länger bleiben können.