Montag, 3. Dezember 2018

Oh je du Fröhliche, Der Nörgler


Erschienen in der Anthologie: Skurrile Weihnachtszeit Herausgeberin: Gitta Rübsaat.


Skurile Weihnachtszeit bei Amazon 


Oh je, du Fröhliche 

 Heidrun Böhm

Es kam morgens um acht mit einem Fahrradkurier: Ein ganz normal aussehendes buntes Schächtelchen, wie es in jedem Feinkostgeschäft zu erwerben ist. „Wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit“ stand in verschnörkelten Buchstaben darauf. Doch der Inhalt sollte sich als etwas ganz Besonderes erweisen.
Als Frau Agathe Riemenschneider das Päckchen im Empfang nahm, sagte der Fahrradkurier mit einem gefälligen Lächeln: „Es ist von Ihrer Nichte.“ Frau Agathes ohnehin säuerliches Gesicht verzog sich, die tiefen Falten auf ihrer Stirn glichen mehr denn je einem Spinnennetz. „Danke“, knirschte sie mit zugepresstem Mund. Schnell nahm sie das Päckchen an sich und knallte die Wohnungstür zu. Die ausgestreckte Hand des Fahrradkuriers hatte sie absichtlich übersehen. Trinkgeld gab es bei ihr nicht.
Es war bald Weihnachten, jedoch daran war Agathe Riemenschneider nicht schuld. Sie wohnte hier in ihrer kleinen Einzimmerwohnung und hielt das Geld zusammen, das ihre Nichte Christa sinnlos ausgeben wollte.
„Tante Agathe ist alt, geizig und unfreundlich“, pflegte Christa zu sagen. Jeder der sie kannte wusste, dass Tante Agathe im Geld schwamm und Christa ihre einzige Erbin war, seit ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Christa war siebzehn, lebenslustig, hatte kein Geld und keine Arbeit. Als sie die Tante gefragt hatte, ob sie einen Teil von ihrem Erbe bekommen könne, hatte die knorrige Alte abgelehnt. „Später wirst du froh sein, dass ich dir das Geld nicht gegeben habe“, argumentierte sie.  Tante Agathe hatte keine Ahnung von Christas Lebensstil. Die monatliche Zuwendung die sie bekam, reichte vorne und hinten nicht. Es gab viele schöne Dinge zu kaufen. Es musste demzufolge etwas geschehen. Kurt, Christas Freund, der den größten Teil seines kurzen Lebens vor dem Fernsehapparat verbracht hatte, war dieser Ansicht. Seine große Leidenschaft waren Kriminalfilme. „Wir machen es wie im Film, wir schicken ihr Pralinen und impfen eine davon mit Arsen.“ Kurt war am Erbe seiner Freundin interessiert. Und er liebte Christa von Herzen.

Agathe Riemenschneider beäugte das Schächtelchen neugierig. Niemals hatte sie von ihrer Nichte ein Geschenk bekommen. Aber bald war Weihnachten, und wahrscheinlich meinte es das Kind ja gut mit seiner alten Tante. Vorsichtig öffnete sie die Verpackung. Köstlicher Schokoladenduft stieg in ihre große Nase. „Pralinen“, murmelte sie und machte vorsichtig den beiliegenden Brief auf. „Für meine liebe Tante Agathe zum ersten Advent“, hatte Christa geschrieben.
 „Das gute Kind“, murmelte Agathe und griff sich vorsichtig eine der Pralinen. „Marzipan“, sagte sie zu ihrem Kater Felix, der ihr schnurrend um die Beine strich. Das laute Schrillen des Telefons ließ Agathe aufschrecken. Hastig steckte sie sich die Praline in den Mund und griff zum Telefon.
 „Ist das Päckchen bei dir angekommen?“ Christas Stimme klang eifrig und besorgt zugleich. „Ich bedanke mich recht herzlich“, posaunte Agathe in den Hörer. „Gut, gut, ich wollte dir noch sagen, dass die Pralinen mit den Mandeln am Besten schmecken. Esse sie bald, sonst werden sie bitter.“ Damit, und mit der Erklärung, dass sie es eilig habe, beendete Christa das Gespräch.

Die dunkle Jahreszeit machte ihrem Namen alle Ehre. Graue Wolkenfetzen trieben den ganzen Tag über am Himmel. Der Regen floss in Strömen und klatschte gegen die Fenster.
Für ein paar Stunden war es hell gewesen, doch jetzt versank die Silhouette der Stadt im nebligen Grau. Einzelne Fußgänger, die hastig versuchten ins Trockene zu kommen, waren noch unterwegs. Hinter den Fenstern glitzerten Kerzen. Weihnachtslieder schwebten durch die Lüfte. Auch aus Agathe Riemenschneiders Wohnung kam Musik. „O du Fröhliche, “ sangen die Wiener Sängerknaben zum achten Mal mit heiseren Stimmen. Das uralte Grammophon wurde nur einmal im Jahr benutzt.
Mit andächtiger Mine legte Tante Agathe das Schächtelchen mit den Pralinen unter den künstlichen Weihnachtsbaum. Wie jedes Jahr feierte sie allein mit ihrem Kater. Felix hatte sich den ganzen Tag nicht sehen lassen. Anscheinend streunte er noch draußen herum. Am Morgen hatte Agathe versucht, Christa anzurufen, um ihr ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen. Sie war nicht zu Hause. „Wir sind in der Karibik“, sagte ihre fröhlich-kindliche Stimme auf dem Anrufbeantworter. „Wann wird dieses alberne Ding endlich erwachsen?“ hatte Agathe zu Felix gesagt, der ihr schnurrend um die Beine strich. Dann holte sie eine der Pralinen mit den Mandeln aus der Schachtel und gab sie dem dicken Kater. „Weil heute Weihnachten ist“, sagte sie. Und Felix, das Schleckermaul sah sie dankbar an. 

Oh je du Fröhliche bei Belletristica 



Der Nörgler 
Heidrun Böhm

Der Beamte Joachim Feddersen führte ein wohlgeordnetes Leben. Er war ohne Familie, ohne Freunde, stand jeden Morgen um dieselbe Zeit auf, und kam immer zur selben Zeit im Büro an. Er aß um dieselbe Zeit zu Mittag, kam pünktlich um fünf Uhr aus dem Büro, und ging abends um dreiundzwanzig Uhr ins Bett. Eine Unterbrechung seines gewohnten Tagesablaufes konnte er sich nicht vorstellen. Er war verschwiegen und verschlossen wie eine Auster, hatte ein altes frostiges Gesicht und einen steifen Gang. An einem Abend im Dezember verließ er sein Büro pünktlich wie immer um 17 Uhr 30.  Ein stürmischer Ostwind trieb dicke graue Wolkenwände über den Himmel. Es begann zu schneien. Ein dicker Schneeteppich breitete sich auf den Straßen aus. Der trübe Dezembertag wich einer nebligen Nacht.
Nachdem er, wie immer drei Minuten an der Haltestelle gewartet hatte, stieg Feddersen in den Bus der Linie 60, der ihn nach Hause bringen sollte.
Wie es seine Gewohnheit war, wollte er beim einsteigen ein paar Worte mit dem Busfahrer wechseln.
Später konnte er nicht mit Gewissheit sagen, ob damit alles angefangen hatte. Denn an jedem anderen Arbeitstag fuhr Willi Nickmann, sein Nachbar, diesen Bus. Doch heute saß ein alter Mann mit langem weißen Bart und einem von Falten zerfurchten Gesicht am Steuer. Er beachtete Feddersen nicht. Er schien sich ganz auf den Straßenverkehr zu konzentrieren. 
Feddersen machte seinen Mund zu und schluckte heftig. Mit einem leisen knirschen schlugen seine Zähne aufeinander. Unsicher geworden sah er sich im Bus um. Dann erstarrte er. Sein Platz war besetzt! Seit acht Jahren fuhr er  mit diesem Bus, saß jeden Tag auf diesem Platz…Und nun saß ein alter Mann mit langem weißen Bart und einem zerfurchten Gesicht da. Er hatte einen  roten verwaschenen Anorak an und las in einer Zeitung. Sein Bart war lang und weiß.
Unwillkürlich tastete Feddersen nach seiner Zeitung, die immer in seiner Jackentasche steckte, und die er jeden Tag auf diesem Platz in seinem Bus las. Die Zeitung war nicht da. Dabei war er sich ganz sicher, dass er sie eingesteckt hatte.
Der Bus fuhr los. Feddersen hielt sich fest, und sah sich verwirrt um. Dann bemerkte er, dass kein anderer Fahrgast mehr zu sehen war. Sein Platz war frei. Das ist seltsam, dachte Feddersen, aber er beachtete es nicht weiter. Er kam ohnehin nur mit sich selbst zurecht. Und letztendlich war das sein Platz. Verdrossen setzte er sich, während der Bus brummend durch die konturlose Nacht  fuhr. Seine Zeitung war und blieb verschwunden. Als er aus dem Fenster sah, zuckte er erschrocken zusammen. Der Bus fuhr nicht die gewohnte Strecke. Er fuhr zu einer Haltestelle, die direkt vor dem Weihnachtsmarkt war. Dort hielt er an. „Ich wollte in die Gnadengasse, da wohne ich“, sagte Feddersen zum Busfahrer. Doch dieser gab keine Antwort, schien in eine unerreichbare Ferne zu blicken und starrte ihn nur gleichgültig an. Feddersen stieg aus. Ich kann die Linie 15 nehmen, dachte er. Die fährt hier weg, und ich komme auch nach Hause. Aber nun stand er am Eingang des Weihnachtsmarktes. Er hasste Weihnachten. Er hasste den Trubel, die Konsumgier, die Kinder mit den erwartungsvoll leuchtenden Augen, die ihren Eltern das Geld aus der Tasche zogen. Außerdem waren Weihnachtsmärkte ein Paradies für Taschendiebe, und durch die leicht beschwipsten Besucher wurde es für sie noch attraktiver. Einladende Glühweinstände, unzählige Würstchenbuden und der Duft von gebrannten Mandeln…Feddersen konnte wiederstehen. Die meisten deftigen und auch die süßen Verführungen waren Dickmacher. Mit zwei Bechern Glühwein, einer Bratwurst mit Brot und einem Nutella Crêpe kam man schnell auf 1400 Kalorien! Er runzelte die Stirn. Er sehnte sich nach seiner einfachen zwei Zimmer Wohnung, in der er zu dieser Zeit seinen Eintopf aufwärmte oder sich eine Haferschleimsuppe machte.„Kann ich Ihnen helfen?“ Fragte jemand hinter ihm. Es war der alte Mann mit dem langen weißen Bart  und dem verwaschenen roten Anorak. „Nein, ich wollte nur mit der Linie 15…“ murmelte Feddersen. „Die Busse fahren heute nichtmehr, der Schnee…Sie wissen schon. Die Straßen sind zum Teil nicht geräumt, aber ich kann Sie mit meinem Schlitten nach Hause fahren. Ich habe ihn am anderen Ende des Weihnachtsmarktes geparkt.“ Feddersen seufzte tief auf. „Ich danke Ihnen für das Angebot, das ich gerne annehme. Wie kommt man am schnellsten zum Ende des Marktes?“ „Vertrauen Sie mir, ich führe Sie dahin, wo Sie hinsollten“, sagte der Mann.
„So ein Quatsch“, murmelte Feddersen, aber er folgte dem Mann, der mit energischen Schritten voran ging. Feddersen sah sich nicht um. Er hoffte, dass er sich bald und unbeschadet aus diesem Gewühl entfernen könnte. Vielleicht fand er eine Seitengasse in die er abbiegen konnte, bevor es dieser Pseudo Nikolaus bemerkte. 
„Das könnte interessant für Sie sein“, sagte der Mann wenig später, und deutete auf einen Stand, an dem es alte Bilder aus der Stadt zu kaufen gab. Feddersen seufzte tief auf, als er ein Bild von seinem Elternhaus entdeckte. „Da habe ich gewohnt, als ich ein Kind war“, sagte er. „Das ist eine schöne Erinnerung“, flötete der Pseudo Nikolaus. „Nun ja, neunzehnhundertfünfundsiebzig abgebrannt, das Haus. Konnte mich gerade noch retten. Bin aus dem Fenster gesprungen. Knieverletzung, seither kann ich keinen Sport mehr machen. Ich war ein guter Sportler. Aber die Feuerwehr kam viel zu spät. Man kann sich auf niemanden verlassen.“ „ Sind Sie deshalb Beamter geworden?“ Fragte der Pseudo Nikolaus. „Genau, deshalb, “ knurrte Feddersen. „Und Ihre Eltern? Ich hoffe, sie waren nicht im Haus?“ Beide waren unterwegs, meine Mutter war auf dem Weihnachtsmarkt, und mein Vater hatte nichts Besseres zu tun, als  in der Kneipe zu sitzen. Später sind meine Eltern gestorben. Mein Vater in der Kneipe weil er ein Säufer war und meine Mutter auf dem Weihnachtsmarkt. Sie hatte Diabetes und konnte den süßen Verlockungen nicht wiederstehen. Ich bin dann Beamter geworden, weil ich ein geordnetes Leben haben wollte. „Aha, „sagte der Pseudo Nikolaus. Schweigend gingen sie weiter.
Der Pseudo Nikolaus bog in eine Seitengasse ab. „Ist das eine Abkürzung?“ „ wollte Feddersen wissen. „Das wäre zu einfach, keine Angst, ich führe Sie dahin, wo Sie hinsollten“, murmelte er. Und Feddersen fragte sich, woher dieser kleine fromme Scheisser wusste, wo er, der Beamte, der seit zwanzig Jahren seine Arbeit pünktlich und korrekt ablieferte, hinzugehen hatte.
Die Seitengasse war klein und eng. Sie schlängelte sich zwischen alten Häusern entlang. Es gab hier nur drei Stände. Am ersten konnte man Bücher kaufen, in denen wiederum alte Bilder der Stadt zu sehen waren. „Abgedroschen“ grummelte Feddersen, und legte das Buch das er sich angesehen hatte bei Seite. Am zweiten Stand gab es die üblichen Weihnachtsdekorationen, scheußliche rot grün und golden glänzende Glaskugeln, und Engel mit rosa Pausbacken die ein seliges Grinsen im Gesicht hatten. „Allein im letzten Jahr wurden knapp 12.000 Tonnen Christbaumschmuck und Weihnachtsartikel aus China nach Deutschland importiert. Diese Ramschprodukte kommen an, weil sie schlichtweg billiger sind als deutsche Qualitätsarbeit, “ grummelte Feddersen.
Der Pseudo Nikolaus gab keine Antwort. „Trinken wir zusammen einen Glühwein?“ fragte er stattdessen, als sie am letzten Stand angekommen waren. „Der ist von schlechter Qualität. Meistens wird er als Fertigprodukt aus dem Pappkarton zu völlig überhöhten Preisen verkauft. „An diesem Stand nicht, hier bekommen Sie gute Ware, “ sagte der Nikolaus gelassen. Feddersen folgte ihm widerwillig. „Ein Weihnachtsmarkt ist einer der beliebtesten Plätze für Taschendiebe“, grummelte er und tastete nach seiner Geldbörse in der Jackentasche. Erleichtert seufzte er auf. Sie war noch da.  
„Erinnern Sie sich an ihre erste Liebe?“ Erkundigte sich der Nikolaus, als sie am letzten Stand angekommen waren. „Das geht Sie nichts an“, grummelte Feddersen. „Öffnen Sie die Augen und sehen Sie sich um. Weihnachten kann Ihnen den Weg zum richtigen Leben aufmachen, und nun bestellte ich uns Glühwein“, sagte der Nikolaus. „Meine Augen sind offen, obwohl ich mir wünschte, sie schließen zu können, damit ich den Ramsch hier nicht sehe“, brummte Feddersen und senkte den Kopf.„Hallo Joachim, ich hätte nicht gedacht dass ich dich hier einmal wiedersehe“, sagte eine ihm bekannte Stimme. Feddersen blickte auf. Seine Augen wurden groß. Sein Mund stand offen. Vor ihm stand Karin. Karin Retter, die erste und einzige Frau, die er geliebt hatte. Sie hatte sich nicht verändert, seit er sie das letzte Mal gesehen hatte. Ihre blonden Haare waren immer noch kurz, der Blick aus ihren braunen Reh Augen intensiv und aufmerksam. Karin spitzte die Lippen pfiff dreimal laut, und begann zu lachen. Feddersen erinnerte sich. Immer wenn sie sich getroffen hatten, war das Pfeifen ihr gemeinsames Kennzeichen gewesen. Meist holte er sie an ihrem Elternhaus ab, wobei er sich in eine Ecke schlich, weil Karins Eltern nicht wissen durften, dass sie zusammen ausgingen. Über Feddersens Gesicht glitt ein leichtes Lächeln.  „Joachim, es ist schön, dass ich dich hier wiedersehe. Was machst du so? Wie geht es dir? Möchtest du Glühwein? „ Ja, wenn er nicht gepanscht ist“, grummelte Feddersen und senkte die Augen. „Bei mir ist alles echt“, sagte Karin. Feddersen seufzte auf, nickte und nahm einen tiefen Schluck aus dem Becher, den Karin ihm reichte.
„ Was machst du hier? Ich dachte, du hasst den Weihnachtsmarkt, und das sogenannte Fest der Liebe. “„Ein Pseudo Nikolaus hat mich hierher gebracht“, antwortete Feddersen. und  sah sich um. Doch hinter ihm war niemand. „Wo ist der Mann, der mir den Glühwein bestellt hat?“ Karin prostete ihm zu und lachte schallend. „Das ist die beste Ausrede, die ich in letzter Zeit gehört habe, du hast den Glühwein selbst bestellt! Und du bist alleine gekommen. Ich jedenfalls habe niemanden gesehen „Aber ich schwöre dir, da war ein kleiner Mann mit rotem Anorak, und langem Bart der wollte mich zu seinem Schlitten bringen, weil die Busse nichtmehr fahren!“ Feddersen lief rot an. Es war ihm peinlich. „Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren alle noch“, sagte Karin und nahm seine Hand. „Gib zu, du wolltest mich wiedersehen.“ “Ja aber ich wusste nicht, wo du bist. Ich dachte, du seist längst weggezogen. Und der zwergenhafte Pseudo.“ „Hat uns anscheinend wieder zusammengeführt“, ergänzte Karin. Und zum ersten Mal in seinem Leben dachte Feddersen, dass diese verdammte Konsumgier, auch ihre Vorteile haben konnte.  

Der Nörgler bei Belletristica          


  
  
   









Dienstag, 20. November 2018

Ich war noch niemals in New York Biografie Heidrun Böhm

Mein Name ist Heidrun Böhm

Mein Name ist Heidrun Böhm. Ich war eine alleinerziehende Mutter und möchte euch meine Geschichte erzählen. Keine Angst, hier gibt es nichts zu jammern oder zu klagen. Denn die Wunden, die der Körper erleidet, heilen mit der Zeit. Die Wunden, die der Seele zugefügt werden, ändern dich mit der Zeit. Und ein neues selbstbestimmtes Leben anzufangen ist immer möglich. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Deshalb spreche ich mit diesem Buch vermutlich eher die Frauen an. Aber ich heiße auch alle Männer herzlich willkommen.   
‚Wir definieren uns viel zu oft über unsere Fehler der Vergangenheit. Du bist nicht du. Du bist die Person genau jetzt. Du bist die Person, die von diesen Fehlern gelernt hat. Baue Selbstvertrauen und Momentum auf, mit jeder guten Entscheidung, die du von jetzt an fällst, und entscheide dich dazu, inspiriert zu sein.‘
Joe Rogan
Ich war-noch-niemals-in New York-Autobiographie


Im Buecherkarussell.de/Weihnachtsmarkt :


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Montag, 19. November 2018

Weihnachten in meiner Kindheit: Tante Mathilde





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Lieben Sie Autobiographien, liebe Leserinnen und Leser? Dann bietet Ihnen dieses Buch etwas ganz Besonderes. Nicht ein B oder C Promi hat es geschrieben oder besser gesagt, schreiben lassen, sondern eine alleinerziehende Mutter, die ihr Leben immer wieder ‚in den Griff‘ bekommen musste. Sie erzählt in einem einfühlsam geschriebenen Stil Ihr Leben auf der schwäbischen Alb von der Kindheit bis heute. Sie erzählt, wie Sie immer wieder die falschen Männer getroffen hat, wie sie manchmal verzweifelt war und sich doch immer wieder ‚am eigenen Schopf‘ aus allen Tiefen des Lebens gezogen hat. Sie beschreibt auch die glücklichen Stunden, Tage und Monate Ihres Lebens und der Leser bzw. die Leserin ‚erlebt‘ förmlich mit. Das Buch richtet sich vornehmlich an alle alleinerziehenden Frauen und Männer aber auch an alle Freunde von Biographien, die genug haben von den erfundenen Geschichten, die Ghostwriter unseren mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen angedichtet haben. Dieses Buch hat das Leben geschrieben und die Autorin hat es auf wunderbare Weise zu Papier gebracht. 

ISBN: 978-1979749534
Preis TB: 12,90€ 
Preis E-book: 2,99
 

Ich war noch niemals in New York

Smart und Nett Münchner Bücherschau



Weihnachten in meiner Kindheit

Auszug aus meiner Biografie: Ich war noch niemals in New York:


Der Winter hatte mit seiner ganzen Härte Einzug gehalten. Ich hasste diese Jahreszeit. Sie brachte klamme Finger, kalte Ohren und leere Stunden, in denen man nicht nach draußen zum Spielen gehen konnte. Interessant wurde es erst, wenn der Nikolaus kam.
„Der Nikolaus kommt in vierundzwanzig Stunden“, hatte Mama gesagt. Da ich die Stunden zählen wollte, hatte ich sie danach gefragt. Dumm war, ich konnte nur bis zehn zählen.
Nun stand ich gelangweilt an einem der kleinen Fenster im Wohnzimmer. Auf dem Glas gab es gezackte Eisblumen, deren Muster ich mit dem Finger nachmalte, während ich meinem Bruder hinterher sah, der mit seinen Freunden zum Schlittenfahren ging.
„Ein Mädchen zieht keine Hosen an“, auch das  hatte Mama gesagt, als ich sie gebeten hatte, mir eine Hose zu kaufen, da es mir im Rock zu kalt zum Schlittenfahren war. Danach war sie zum Arbeiten gegangen und hatte mich mit Opa allein gelassen, wie jeden Tag.
Meine Mama war lieb, aber manchmal verstand ich sie nicht. Ich vermutete, auch Tante Mathilde, die Schwester meines Großvaters, die in der Wohnung nebenan wohnte, würde das nicht gefallen. Obwohl sie den ganzen Tag in einem Sessel saß und nichts arbeitete, wie Mama sagte, hatte sie vielleicht eine Ahnung davon, wie man sich als Mädchen zu benehmen hatte. Weshalb sie aber dem Onkel Hans, ihrem Sohn, als er ein kleiner Junge war, Röcke angezogen hatte, verstand ich nicht. Mama hatte es mir erzählt, es war mir verboten, das jemals zu erwähnen.
Wie auch immer, ich hatte Tante Mathilde nie in einer langen Hose gesehen. Sie trug bunte Kittelschürzen und hatte einen Zopf, den sie sich hinten am
Kopf mit Klammern feststeckte, sodass er aussah, wie eine Schnecke. Tante Mathilde war anders als Mama. Sie hängte große weiße Laken über ihren Bollerofen und spülte ihr Geschirr in der Badewanne.
Den größten Teil des Tages verbrachte Tante Mathilde in ihrem Wohnzimmer. Dort las sie die Tageszeitung und schrieb ab und zu ein Gedicht, das sie bei der Zeitung einreichte. Dann wartete sie, bis Onkel Hans von der Arbeit kam. Meistens dreht sie dabei Däumchen, und wenn ich sie beobachtete, sagte sie: „Lieber Gott, ich bin nicht dumm, ich kann es auch noch andersrum.“ Dann huschte ein Lächeln über ihr dickes Gesicht, und ihre große schwarz geränderte Brille rutschte fast bis zu ihrer roten Nasenspitze. Sie hatte zwei Söhne, den Heinz und den Hans. Hans wohnte mit ihr zusammen. Einen Mann hatte sie nicht mehr, der war mit nur einem Bein vom Krieg heimgekommen und bald danach gestorben. Mama hatte gesagt, sie wäre auch gestorben, wenn sie mit Tante Mathilde verheiratet gewesen wäre. Mama mochte Tante Mathilde nicht besonders gern, vielleicht weil sie so faul war.
Die Uhr der gegenüberliegenden Kirche schlug sechsmal. Opa kam aus der Küche, zwischen seinen Lippen steckte eine dicke, qualmende, stinkende Zigarre. „Morgen kommt der Nikolaus“, sagte er und lächelte schief. Die Zigarre wippte zwischen seinen Lippen auf und ab, während er redete. Asche fiel auf den Boden. Er bückte sich, um sie wegzuwischen, dann sah er mich erwartungsvoll an.
Ich wusste, er würde wieder den großen braunen Mantel, die rote Nikolausmütze, den struppigen weißen Bart und die alten braun-glänzenden Stiefel überziehen. Erst kürzlich hatte ich das alles in seinem Zimmer liegen sehen. Der Opa ist der Nikolaus“, hatte Mama mir verraten. Nun hatten wir ein Geheimnis, das weder der Opa noch Bernd teilten. Darauf war ich stolz. Opa war Tante Mathildes Bruder. Ich glaube, er mochte sie auch nicht, aber sie war nun mal da, sie war immer da gewesen, auch als Oma noch lebte. Oma war schon vor meiner Geburt gestorben, mir wurde gesagt, ich habe  ihre braunen Augen und ihre Nase geerbt. „Sie hat immer versucht, die Familie zusammenzuhalten“, hatte Mami gesagt. Das konnte ich zwar nicht verstehen, aber ich verstand, dass auch sie unter Tante Mathildes Verhalten gelitten hatte. Oma lieh sich eines Tages einen Schirm von Tante Mathilde aus und nahm ihn mit in die Stadt. Als es zu regnen begann und sie den Schirm aufspannte, prasselte ein Pfund gekochter Nudeln heraus, sie verklebten Omas Haare und setzten sich in ihrem Mantel fest. Oma, die sich in Gesellschaft befand, blieb nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen und nach Hause zu gehen. Mama hatte sich nie etwas von Tante Mathilde ausgeliehen. Mama war sehr ordentlich. Vielleicht war es auch so, dass Tante Mathilde den ganzen Tag neben ihrem Bollerofen saß, weil es ihr kalt war. Das Haus, in dem wir wohnten, war alt und es zog aus allen Ecken. Ich schlief in einem Schlafzimmer mit meiner Mutter und hatte dabei im Winter Handschuhe an und eine Mütze auf. Nun ging ich auf die eine Toilette, die uns allen gehörte. Dazu musste ich in den eiskalten Flur hinaus. Tante Mathilde saß auf der Schüssel, ich hörte es, sie schnaufte laut. Ich musste lange warten, bis sie wieder herauskam. Darum schlich ich mich heimlich in ihre Wohnung und sah mir die Badewanne an, in der sich das schmutzige Geschirr stapelte. Es war ein faszinierender Anblick.
Wir hatten in unserer Küche einen kleinen Zuber, in dem wir einmal in der Woche badeten, nachdem Mama das Wasser auf dem Herd heiß gemacht hatte. Tante Mathilde dagegen hatte eine richtige Badewanne und benutzte sie für das Geschirr. Ich konnte das nicht begreifen.
Später kam Bernd vom Schlittenfahren zurück. Seine Hose war zerrissen und sein Stiefel hatte ein Loch. Ich wusste, der Nikolaus würde ihn morgen für sein Vergehen vermöbeln. Es war gut, ein Mädchen zu sein. Sicher war Weihnachten das schönste Ereignis im Winter. Wenn das Christkind kam, saßen wir in der beheizten Stube, der Bollerofen verbreitete wohlige Wärme und die Wachskerzen am Baum brannten hell. Meine neue Puppe saß unter dem Baum und starrte mich mit ihren blauen, weit aufgerissenen Augen an. Die schwarz glänzende Dampflok meines Bruders drehte ihre Runden auf den glitzernden Schienen um den Weihnachtsbaum. Opa bekam Socken und Zigarren, Mama sang Weihnachtslieder und erzählte uns die Geschichte von Jesu Geburt. Mama war eine gute Geschichtenerzählerin und bekam dafür jedes Jahr kölnisch Wasser als Geschenk.Tante Mathilde und Onkel Hans kamen, wünschten uns ein schönes Fest und holten sich ihre Geschenke ab. Nun durften wir auch in die geputzte Stube von Tante Mathilde kommen. Die Laken waren verschwunden, ein winziger Weihnachtsbaum stand in der Ecke. Daneben stand der braune Radioapparat. Freddy Quinn sang von einem großen Schiff, auf dem das Christkind übers Meer fuhr. Mama zog die Augenbrauen hoch. Eine steile Falte bildete sich auf ihrer Stirn. Freddys Lieder gefielen ihr nicht. Opa zog an seiner Zigarre, sah seine Schwester teilnahmslos an und trank einen Schluck Bier mit seinem Neffen Hans.„Nehmt euch doch ein paar Plätzchen, die bekommt ihr nicht jeden Tag“, sagte Tante Mathilde und deutete auf den Teller, der auf dem Tisch stand. Wir wussten, Hans hatte sie gebacken. Hans konnte alles. Hans tat alles. Er musste seine Mutter sehr lieb haben. Er putzte die Wohnung, wenn er von der Arbeit kam, spülte das Geschirr in der Badewanne weg und wusch die Laken, die danach über dem Ofen hingen. Am Wochenende machte er Ausflüge mit seiner Mama. Bernd war das egal. Er sah nur die Plätzchen. Schnell stopfte er sich ein paar davon in den Mund. Opa bekam Socken, Mama kölnisch Wasser und wir Kinder ein paar Stofftaschentücher.
„Was macht Heinz?“, fragte meine Mutter Tante Mathilde. Über Tante Mathildes Gesicht huschte ein Schatten. „Heinz ist mit seiner Frau verreist“, antwortete sie. Heinz war ihr ältester Sohn. Von ihm wurde nicht viel geredet. Er hatte sich vor ein paar Jahren verheiratet, war ausgezogen und lebte sein eigenes Leben.„Deine Schwester begreift nicht, dass das der Lauf der Dinge ist, man kann seine Kinder nicht ewig bei sich behalten“, sagte Mutti zu Opa. Und Opa antwortete: Hans ist eben ein Muttersöhnchen.“ Ich wusste nicht, was die Erwachsenen damit meinten. Ich würde bestimmt  bei meiner Mutti bleiben. Meinen Bruder würden sie vielleicht nicht behalten wollen, er stellte immer etwas an. Entweder er kam mit zerrissenen Hosen an, oder er tappte in die Kehrschaufel, sodass der Dreck über den Boden zerstreut war und Mama noch einmal putzen musste. Im Sommer war er beinahe unter ein Auto gekommen, und das alles nur, weil er mit mir die Hauptstraße überqueren wollte, um einen Ausflug in den Wald zu machen.Onkel Heinz war ein lustiger Bursche. Er hatte keine Ähnlichkeit mit seinem Bruder Hans. Vor einiger Zeit war er auf den höchsten Kamin der Stadt gestiegen, um sich dort fotografieren zu lassen. Tante Mathilde hatte das gar nicht gefallen. Und nun war er auch an Weihnachten nicht da. Nachdem die Erwachsenen sich einige Zeit unterhalten und mein Bruder den Plätzchenteller abgeräumt hatte, gingen wir wieder in unsere Wohnung zurück.Dort stellte ich Mama die Frage, die mir schon lange auf den Lippen brannte: „Mama, warum hängt die Tante Laken über den Ofen?“ Mama und Opa begannen laut zu lachen. Und wieder einmal waren die Erwachsenen für mich ein Buch mit sieben Siegeln. 
„Das sind doch ihre Unterhosen“, gluckste meine  Mutter, als sie wieder zu Atem kam. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Mensch Unterhosen mit solchen Ausmaßen trug. Tante Mathilde hatte Laken über dem Ofen. Sie musste Laken über dem Ofen haben. Ich verstand nicht, was daran lustig war. Vielleicht war Tante Mathilde zu dick für die Badewanne. Stellte sie deshalb ihr Geschirr hinein? Onkel Hans brauchte ja nicht zu baden, er war den ganzen Tag beim Arbeiten. Doch es war Weihnachten und wir durften länger aufbleiben. Ich setzte mich auf den Boden und begann, mit meiner Puppe zu spielen. Bernd   setzte seine Eisenbahn in Bewegung. Meine Puppe bekam gerade Besuch von ihrem Nachbarn, dem Teddybären, als mein Bruder über die Eisenbahnschienen hüpfte und geradewegs im Christbaum landete. Bernd und Baum verhedderten sich zu einem undurchdringlichen schreienden Bündel. Opa und Mama schrien mit. Scherben von Glaskugeln, Lametta und Tannennadeln prasselten auf den sauber geputzten Boden. Ich saß staunend daneben und hielt meine Puppe fest. Schimpfend zog Opa meinen Bruder aus dem Gewirr, wischte ihm die Tannennadeln von Pulli und Hose und versetzte ihm einen Klaps auf den Po. Dann stellte er mit Mama zusammen den Baum wieder auf. Mama holte Kehrschaufel, Besen, Schrubber und Lappen und begann, den Boden zu putzen. Es klopfte an der Tür. Tante Mathilde steckte den Kopf herein. „Ist etwas passiert?“, fragte sie.„Das siehst du ja“, sagte Mama. Sie war mürrisch, sie war aufgebracht. Wenn sie so war, dann redete man am besten nicht mit ihr.Tante Mathilde schien das nicht zu wissen. „Kann ich dir helfen?“, fragte sie, während sie sich  langsam in Richtung Flur zurückzog.„Nein danke“, murmelte Mama mit zusammengepressten Lippen. Als Tante Mathilde die Tür hinter sich geschlossen hatte, klatschte Mama den nassen Lappen dagegen.

Ich zuckte erschrocken zusammen. Mama hätte Tante Mathilde zweifellos den Lappen an den Kopf geworfen, wenn sie noch einmal gekommen wäre. Aber sie kam nicht mehr. Mama sagte, das sei typisch für sie. Sobald es irgendwo Arbeit gäbe, würde sie sich verziehen. Außerdem sei es sehr komisch, dass Tante Mathilde immer Schwindelanfälle und Kreislaufstörungen bekomme, wenn Hans einmal für zwei Tage allein weg wollte.
In der folgenden Zeit sahen wir uns nicht oft. Dabei hätte ich Tante Mathilde gerne gefragt, ob sie einen Jungen wie meinen Bruder, der immer etwas anstellte, auch behalten hätte. Onkel Hans war als Kind bestimmt nie in den Christbaum gefallen, mit Löchern in der Hose nach Hause gekommen und in die Kehrschaufel getreten. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass Bernd später einmal behalten werden würde. Und außerdem fragte ich mich, ob mein Opa wohl behalten werden würde. Aber wie auch immer, eines stand für mich fest: Wie Tante Mathilde wollte ich auch nicht aussehen, wenn ich groß war.


Biografie Alleinerziehende: Weihnachten in meiner Kindheit


Buecherkarussell. Heidrun-Boehm  


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Einige meiner Kurzgeschichten

Kurzgeschichte zum Thema Weihnachten: Der Nörgler von Heidrun Böhm...

Erschienen in der Anthologie: Skurrrile Weihnachtszeit.Hrsg. Gitta Rübsaat

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Der Beamte Joachim Feddersen führte ein wohlgeordnetes Leben. Er war ohne Familie, ohne Freunde, stand jeden Morgen um dieselbe Zeit auf, und kam immer zur selben Zeit im Büro an. Er aß um dieselbe Zeit zu Mittag, kam pünktlich um fünf Uhr aus dem Büro, und ging abends um dreiundzwanzig Uhr ins Bett. Eine Unterbrechung seines gewohnten Tagesablaufes konnte er sich nicht vorstellen. Er war verschwiegen und verschlossen wie eine Auster, hatte ein altes frostiges Gesicht und einen steifen Gang.


Der Nörgler

Ebenfalls in dieser Anthologie..meine Geschichte:

Oh du Fröhliche   Heidrun Böhm

Es kam morgens um acht mit einem Fahrradkurier: Ein ganz normal aussehendes buntes Schächtelchen, wie es in jedem Feinkostgeschäft zu erwerben ist. „Wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit“ stand in verschnörkelten Buchstaben darauf. Doch der Inhalt sollte sich als etwas ganz Besonderes erweisen.

Als Frau Agathe Riemenschneider das Päckchen im Empfang nahm, sagte der Fahrradkurier mit einem gefälligen Lächeln: „Es ist von Ihrer Nichte.“ Frau Agathes ohnehin säuerliches Gesicht verzog sich, die tiefen Falten auf ihrer Stirn glichen mehr denn je einem Spinnennetz. „Danke“, knirschte sie mit zugepresstem Mund. Schnell nahm sie das Päckchen an sich und knallte die Wohnungstür zu. Die ausgestreckte Hand des Fahrradkuriers hatte sie absichtlich übersehen. Trinkgeld gab es bei ihr nicht....


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